From Mall to Meaning

Hybride Transformationsstrategien für innerstädtische Einkaufszentren am Beispiel des Rössle in Villingen-Schwenningen

Masterthesis | Dilara Türetken | 4. Semester | Sommersemester 2026

Diese Masterthesis untersucht die räumlichen, funktionalen und gesellschaftlichen Potenziale leerstehender innerstädtischer Einkaufszentren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine ehemals monofunktionale Handelsimmobilie durch innenarchitektonische und architektonische Eingriffe in einen offenen, nutzungsgemischten und identitätsstiftenden Stadtbaustein transformiert werden kann. 

Ausgangspunkt der Arbeit ist das ehemalige Einkaufszentrum Rössle in Villingen-Schwenningen. Das Gebäude befindet sich in zentraler Lage am Muslenplatz und ist von wichtigen öffentlichen, bildungsbezogenen und infrastrukturellen Einrichtungen umgeben, darunter Rathaus, Stadtbibliothek, Hochschuleinrichtungen und Bahnhof. Trotz dieser städtebaulich bedeutenden Lage konnte das Einkaufszentrum seine ursprünglich angestrebte Funktion als Impulsgeber für die Innenstadt langfristig nicht erfüllen. Die introvertierte Gebäudestruktur, die starke Ausrichtung auf Einzelhandel sowie die geringe Transparenz zum Stadtraum führten zu funktionalen und atmosphärischen Defiziten. Die Arbeit versteht das Rössle nicht primär als gescheiterten Gebäudetyp, sondern als räumliche und konstruktive Ressource. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Einzelhandel, zunehmender Leerstände und der Notwendigkeit eines nachhaltigeren Umgangs mit vorhandener Bausubstanz wird untersucht, wie großmaßstäbliche Handelsarchitektur räumlich, funktional und atmosphärisch neu programmiert werden kann. Der theoretische Teil behandelt den Wandel innerstädtischer Einkaufszentren, das Konzept hybrider Nutzung als räumliches Organisationsprinzip sowie ausgewählte Referenzprojekte, die unterschiedliche Strategien zur Öffnung, Aktivierung und Umnutzung ehemaliger Handelsgebäude aufzeigen.

Auf dieser Grundlage entwickelt die Arbeit einen Entwurfsansatz, der die ehemalige Mall-Struktur des Rössle als offene innere Stadtstruktur neu interpretiert. Eine durchlässige Erdgeschosszone wird als öffentliche Stadtebene ausgebildet und stellt neue räumliche Beziehungen zwischen Gebäude und Umgebung her. Die oberen Geschosse werden für Wohnnutzungen vorgesehen und tragen zu einer langfristigen Aktivierung des Standorts über kommerzielle Öffnungszeiten hinaus bei. Durch die vertikale Staffelung öffentlicher, gemeinschaftlicher und privater Bereiche entsteht ein hybrides Nutzungskonzept, das unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit, Begegnung und Rückzug miteinander verbindet.

Die Thesis verbindet theoretische Analyse mit entwurfsorientierter Forschung und zeigt exemplarisch, wie leerstehende Einkaufszentren nicht als überholte Strukturen, sondern als Ressourcen für neue Formen von Urbanität, Gemeinschaft und nachhaltiger Umnutzung verstanden werden können.

Masterthesis betreut von Prof. Monika Joos-Keller