Masterthesis | Kevin Spina | Sommersemester 2023

Ornaments of a Defensive City — Notions of an Alternate Reality

Die Architektur bietet dem Menschen physischen Schutz, doch beeinflussen auch Gestaltung und Ausarbeitung sein Wohlbefinden. Eine defensive Architektur beschreibt historisch Verteidigungsbauten, meint heute jedoch Gestaltungen, die sich gegen unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen wie Obdachlose oder Jugendliche richten. Faktoren wie (Un-)Sichtbarkeit, Maßstäblichkeit und Archetypen zeigen sich dabei: Metallspitzen an Fassaden kommunizieren etwa das Nicht-Verweilen, während Gated Communities mit Schleusen und Kameras subtiler wirken. Bestimmte Gestaltungsprinzipien dienen als verhaltensregulierende Maßnahmen und erschweren bestimmten Gruppen die Nutzung oder den Zugang.

Aus der Annahme einer wechselseitigen Wirkung defensiver Gestaltung und zunehmender Abgrenzung ergeben sich Fragen: Was macht Architektur defensiv? Wie lassen sich solche Strukturen erkennen? Wie wirkt sich eine zunehmend defensive Umwelt auf private und öffentliche Räume aus? Und wie können Computerspiele durch spekulative Szenarien defensive Stadtentwicklung sichtbar machen und neue Vermittlungswege eröffnen?

Anhand realer Beispiele, Architekturtheorie und narrativer Elemente sollen spekulative Spiel-Szenarien die Gestaltung unserer Umwelt kritisch hinterfragen und ein breiteres Verständnis planerischer Herausforderungen ermöglichen. Grundlage bilden insbesondere Theo Deutingers Untersuchungen aus dem Handbook of Tyranny.

Defensive Typologien im Raum Stuttgart werden bestimmt, verfremdet und in einem Virtual-Reality-Game inszeniert, um mögliche zukünftige Auswirkungen einer defensiven Gestaltung sichtbar zu machen. Die urbanen Stages bieten narrative Stationen, in denen Spielende Orte in veränderter Erscheinung wahrnehmen. Die Arbeit stützt sich auf wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Quellen, Interviews mit Betroffenen sowie Ortsbegehungen. Ziel ist es, mediale Methoden wie Film, Videogame und Photogrammetrie zu verknüpfen, um architekturtheoretische Inhalte spielerisch zu vermitteln und unsichtbare Bewohner:innen der Stadt sichtbar zu machen.

Masterthesis betreut von Prof. Andreas Kretzer und Prof. Philipp Dechow.

Die Arbeit wurde beim 0711 Contest ausgezeichnet: 
Master-Thesis »Ornaments of a Defensive City« beim 0711 Contest 2025 ausgezeichnet | HFT Stuttgart

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Abbildung der Studienarbeit Ornaments of a defensive City

Master-Thesis »Ornaments of a Defensive City« beim 0711 Contest 2025 ausgezeichnet

Die Abschlussarbeit von Kevin Spina, Masterstudiengang Innenarchitektur, wurde von der Jury mit einem von fünf Studierendenförderpreisen prämiert.

Die Arbeit zählt zu den besten von insgesamt sieben ausgezeichneten Einreichungen in den Kategorien »Gebauter Raum« und »Gesellschaftspolitik in Analyse und Prozess«.

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