Fünf Preisträgerinnen und Preisträger aus Heilbronn, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart und Tübingen erhalten Preisgelder von insgesamt 250.000 Euro. Mit dabei ist Prof. Dr. Melanie Baur, Dekanin des Studiengangs Informatik an der HFT Stuttgart (im Bild 1. v. l.)
„Motivation – Innovation – Engagement“: Unter diesem Motto hat Wissenschaftsministerin Petra Olschowski heute in Stuttgart den Landeslehrpreis und den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement 2025 verliehen. „Gute Lehre, bei der man Motivation, Innovation und Engagement spürt, bringt Lehrende und Studierende gleichermaßen voran – und trägt dadurch deutlich zum Studienerfolg bei“, sagte Ministerin Olschowski. Der Landesregierung sei die Lehre sehr wichtig. „Wir gestalten damit nicht nur Berufe oder Bildungswege – wir gestalten damit unsere Gesellschaft.“
Bei der feierlichen Preisverleihung im Weißen Saal des Neuen Schlosses wurde die hohe Qualität und das innovative Potenzial der ausgezeichneten Lehrkonzepte und -projekte wieder mehr als deutlich. Das Spektrum reichte von Klimaschutz bis zu Computational Thinking, von der fächerübergreifenden Persönlichkeitsbildung und einem historisch-soziologischen Theaterprojekt bis zur studentisch organisierten Entwicklungszusammenarbeit.
Mit dem Landeslehrpreis würdigt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg die Arbeit und das Engagement herausragender Persönlichkeiten und Projekte an den Hochschulen des Landes. Der Landeslehrpreis wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Landesforschungspreis verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten jeweils 50.000 Euro, die zweckgebunden der Lehre zugutekommen sollen. Der Sonderpreis für heraus-ragendes studentisches Engagement ist mit 5.000 Euro dotiert.
Die Preisträgerinnen und Preisträger des Landeslehrpreises 2025 sind:
- Dr. Ursula Offenberger, Leonie Holdik und Dorothee Engbers, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
- Kevin Kärcher, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd
- Prof. Dr. h.c. Patrick Thomas, Staatliche Akademie der Bildenden Künste (ABK) Stuttgart
- Prof. Dr. Melanie Baur, Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart
- Annette Ott und Yvonne Weber, Center for Advanced Studies der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW CAS) Heilbronn
Den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement erhält die Hochschulgruppe Engineers Without Borders (EWB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Die Jury erläutert in Ihrer Begründung:
Mit ihrem innovativen Lehr- und Lernkonzept „Flexibel, unterstützend und erfolgreich Programmieren lernen“ begeistert Prof. Dr. Melanie Baur von der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) ihre Studierenden ab dem ersten Semester für das Programmieren. An der HFT Stuttgart als Pflichtvorlesung „Programmieren 1“ im Bachelorstudiengang Informatik angekündigt, hat die Veranstaltung von Professorin Melanie Baur so gar nichts von einer klassischen Vorlesung mit Frontalunterricht. Tatsächlich verfolgt sie ihrem Lehrkonzept stringent einen ganzheitlichen didaktischen Ansatz, der durch Flexibilisierung des Lernprozesses und den Einbau verschiedenartiger aktivierender Elemente die Heterogenität der Zielgruppe berücksichtigt.
Die promovierte Informatikerin definiert klar die angestrebten, aufeinander aufbauenden Kompetenzen und wählt dafür entsprechend adäquate Methoden und Medien. Die Studierenden werden in der Vorlesung schrittweise an das selbstregulierte Lernen (SRL) herangeführt. Begleitete Selbststudienzeiten werden integriert, die eine individuelle Anpassung des Lernprozesses je nach Vorkenntnissen und Lerngeschwindigkeit ermöglichen. In ihrer Methodik und Didaktik sieht sich die Professorin eher in der Rolle einer Coachin. Zentrales Arbeitsmittel ist ein webbasiertes, interaktives Workbook, das den Studierenden ermöglicht, Lerninhalte in ihrem eigenen Tempo zu erarbeiten. Die Themen werden nach der PRIMM-Methode (Predict-Run-Investigate-Modify-Make) eingeführt, schwierige Konzepte werden anschaulich und umfassend erklärt. Im Browser ausführbare Beispiele, Quiz und Übungen ergänzen das Workbook und bieten ein modernes und zielgruppenadäquates Lernerlebnis.
Durch ihr Engagement prägt Professorin Baur nachhaltig die Programmierausbildung an der Hochschule für Technik. Ihr Lehrkonzept ist innovativ auf mehreren Ebenen. Sie verwendet nicht nur technologische Neuerungen, um didaktische Bausteine innovativer zu gestalten, sondern bietet auch einen organisatorischen Rahmen, der individuelle Förderung ermöglicht und das Vorwissen der Studierenden berücksichtigt. Dazu zählen auch Zusatzangebote, wie ein neu gegründetes Programmieren-Café, eine Projektaufgabe für die Vorbereitungswoche der Erstsemester und Schülerworkshops, die von ihr ins Leben gerufen wurden.
Die ebenso fundierte wie engagierte Lehrtätigkeit von Prof. Dr. Melanie Baur, so die Einschätzung der Jurymitglieder des Landeslehrpreises, sei ein herausragendes Beispiel für die innovative Weiterentwicklung der Lehre und zeichne sich durch eine große Übertragbarkeit aus. So werden einzelne Bausteine bereits von mehreren Professoren in verschiedenen Bachelorstudiengängen wie Informatik, Wirtschaftsinformatik, Digitalisierung und Informationsmanagement sowie AR/VR-Engineering eingesetzt. Darüber hinaus ist ein Transfer sowohl des Vorgehens als auch der Workbooks in alle Studiengänge der HFT möglich. Mit dem Preisgeld des Landeslehrpreises sollen die erarbeiteten Materialien weiter ausgebaut und das Workbook perspektivisch als Open Educational Ressource (OER) zur Verfügung gestellt werden. Davon könnten also in naher Zukunft auch Lehrende und Studierende aus anderen Fakultäten und Hochschulen profitieren.
Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg